Am 5. Oktober fanden in Brasilien die Präsidentschaftswahlen statt. Nach keiner absoluten Mehrheit gab es am 28. Oktober eine Stichwahl zwischen den beiden Spitzenreitern. Rund 145 Millionen Wahlberechtigte stimmten hierbei zwischen dem rechtspopulistischem Kandidaten Jair Bolsonaro und dem Vertreter der linken Arbeiterpartei Fernando Haddad ab. Am 29.10.2018 stand dann fest: Bolsonaro würde im Januar 2019 sein Amt als Präsident antreten.

In Brasilien besteht eine Wahlpflicht für 18 bis 70-Jährige. Alle vier Jahre können Wahlberechtigte, das heißt Brasilianer ab 16 Jahren, ihren Präsidenten mitbestimmen. Der letzte Präsident Luíz Inácio Lula da Silva wurde von den diesjährigen Wahlen ausgeschlossen, da er zu mehr als zwölf Jahren Haft wegen Korruption und Geldwäsche verurteilt wurde. Seine Partei PT stellte stattdessen den linksorientierten Fernando Haddad, dessen Ziele die Aus- und Aufbesserung des Bildungsystems waren. Sein Gegenkandidat für die Stichwahl: Der der PSL angehörende Jair Bolsonaro. Bolsonaro legte seine Absichten sehr offen. Gegen den Verfall Brasiliens wolle er den Zugang zu Waffen zu erleichtern, wichtige Ministerien mit Militärs besetzen und möglicherweise aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszusteigen. Warum der Populist trotzdem gefeiert wird? Im Wahlkampf erklärte Bolsonaro mit Härte gegen die stark angestiegene Kriminalität vorzugehen. Der Ex-Militär sprach sich außerdem gegen Korruption und für die öffentliche Sicherheit aus. Zudem tat er sein Gefallen an der Militärdiktatur von 1964 bis 1985 kund. Mit dem Sozialismus, dem Kommunismus, dem Populismus und dem Linksextremismus müsse Brasilien abschließen, so Bolsonaro. Schon vor der Wahl gab es zahlreiche Proteste und empörte Aufschreie zu den frauenverachtenden, rassistischen und homophoben Äußerungen des rechten Kandidaten. Bolsonaro kündigte eine in Brasilien niemals gesehene Säuberung an. Linke, Menschenrechtler und Minderheiten befürchten nun Gewalt gegen Farbige und Homosexuelle. Ihr Wunsch: Die Weiterführung der Demokratie durch Haddad. Am 29.10. dann jedoch das vorhergesagte Ergebnis: Mit einer knappen Mehrheit von 55,1% der Stimmen gewann Jair Bolsonaro die Wahl. Nach dem Ergebnis gratulierte US-Präsident Trump dem neuen Regierungschef per Telefon. Der Präsident der USA kündigte an, ab jetzt Seite an Seite mit Bolsonaro zu arbeiten, um die Leben der Menschen in den USA und in Brasilien zu verbessern.
Auch der argentinische Präsident Mauricio Macri und er chilenische Staatschef Sebastián Piñera bekundeten Ihre Freude und Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem Rechtspopulisten. Bolsonaros Gegenkandidat Haddad räumte seine Niederlage ein, wollte diesem jedoch nicht gratulieren. An seine Wähler hatte er eine klare Botschaft: „Habt keine Angst, sondern verteidigt weiterhin die Demokratie!“

Nach diesem, für viele Brasilianer enttäuschenden, Ausgang der Wahlen kann man nur gespannt auf die Entwicklung in Zukunft sein und hoffen, dass Bolsonaro an die Hoffnung und Wünsche der Bürger Brasiliens denkt. Die IRESO-Projekte sind erst einmal nicht von den Wahlen betroffen. Wir beobachten die Ereignisse genau und werden sehen, wie sich die jetzt schon schwierige Lage in den Favelas entwickelt.