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Was passiert, wenn ein kleiner Roboter aus Pappe für eine Woche mit nach Hause kommt? Bei RoboTec im Centro de Convicência Gêneses, Jaraguá, wird daraus eine ganz besondere Lernmission.

Mit der Aufgabe „Adoptiere einen Roboter“ nehmen die Kinder ihre Beschäftigung mit dem Thema Robotik für eine Woche mit nach Hause. Jedes Kind erhält einen Papproboter und einen Steckbrief zum Ausfüllen. Darin werden die Kinder selbst als „inventor“ – Erfinder*in angesprochen.

Allein diese Ansprache macht einen Unterschied: Die Kinder sind nicht einfach diejenigen, die eine vorgegebene Aufgabe erledigen. Sie werden zu Erfinderinnen und Erfindern, die selbst entscheiden, wie ihr Roboter aussehen, was er können und welche Aufgabe er übernehmen soll.

Auf ihrem Steckbrief halten sie unter anderem fest:

  • Wie heißt mein Roboter?
  • Was ist seine wichtigste Aufgabe?
  • Welche besondere Fähigkeit besitzt er?
  • Welches gesellschaftliche Problem könnte er helfen zu lösen?

Außerdem gestalten die Kinder einen eigenen Platz oder ein kleines Zuhause für ihren Roboter, bauen etwas für ihn, bringen ihm etwas bei und erfinden eine Geschichte über ihn. So wird aus einem einfachen Stück Pappe nach und nach ein ganz persönlicher Begleiter.

Ihre Erlebnisse halten die Kinder in einem „Roboter-Tagebuch“ fest. Dort können sie zum Beispiel eintragen, was sie ihrem Roboter beigebracht haben, was ihr Roboter ihnen beigebracht hat, welchen „Befehl“ sie entwickelt haben und ob dieser funktioniert hat.

Wie intensiv sich die Kinder auf diese Aufgabe einlassen, konnte ihre Tutorin Zuleika Souza bereits während der Woche beobachten. Die Kinder bezogen ihre Papproboter ganz selbstverständlich in ihren Alltag ein und behandelten sie nicht einfach wie ein Bastelprojekt.

Die Ergebnisse zeigen, wie unterschiedlich sie die Aufgabe mit Leben füllten: Ihre Roboter sollten helfen, Menschen weniger traurig machen, Gefühle und Worte verständlicher machen oder bei alltäglichen Aufgaben unterstützen. Gleichzeitig brachten die Kinder ihren Robotern ganz unterschiedliche Dinge bei – vom Schwimmen und Fahrradfahren bis zum Pflanzen von Samen.

Ein Junge erzählte beispielsweise, dass sein Roboter ihn daran erinnert habe, respektvoller mit seiner Mutter umzugehen. Es hatte eine Situation gegeben, die seinem Roboter offenbar nicht gefallen hatte – und nun wurde der kleine Begleiter kurzerhand zum persönlichen Ratgeber.

Genau solche Momente zeigen, wie viel Raum diese einfache Aufgabe für Fantasie und eigene Ideen eröffnet. Der Roboter wird zu einer Figur, die die Kinder selbst gestalten, mit Bedeutung versehen und in ihre eigene Lebenswelt integrieren.

Gleichzeitig entsteht eine Verbindung zwischen dem RoboTec-Kurs und dem Zuhause. Die Kinder setzen sich auch außerhalb des Unterrichts mit dem Thema Robotik auseinander, erzählen ihrer Familie von ihrer Aufgabe und entwickeln eigene Vorstellungen davon, was Roboter können, wofür sie eingesetzt werden und wie sie Menschen unterstützen könnten.

Eine Woche, ein Roboter aus Pappe – und ganz viele eigene Ideen. Genau darum geht es bei „Adoptiere einen Roboter“: Kindern den Raum zu geben, selbst zu erfinden, auszuprobieren und zu erleben, dass ihre eigenen Ideen etwas bewirken können.

Von Larissa Loderer